Wie viel Zeit bleibt? - 100 Tage ohne Stärkung ambulanter Strukturen
Die ersten 100 Tage der Regierung Merz sind ohne erkennbare strukturelle Verbesserungen zur Sicherung der bewährten ambulanten Versorgung der Bevölkerung vorübergegangen.
Die ersten 100 Tage der Regierung Merz sind ohne erkennbare strukturelle Verbesserungen zur Sicherung der bewährten ambulanten Versorgung der Bevölkerung vorübergegangen.
Der nationale und weltweite Erfolg des Deutschen Hepatitis C-Registers (DHC-R) ist und bleibt eng mit dem Namen von Prof. Dr. Michael P. Manns verbunden. Der bng und alle niedergelassenen Gastroenterologen und Hepatologen gedenken dem leider viel zu früh Verstorbenen!
„Dank der Vorsorge-Darmspiegelung ist nicht nur Tausenden von Patienten das Schicksal einer Darmkrebserkrankung erspart geblieben“, so bng Verbandschef Dr. Ulrich Tappe. „Der Rückgang der stationären Behandlungen – laut Destatis minus 30 Prozent – zeigt zudem die immense wirtschaftliche Bedeutung einer fachärztlich koordinierten Versorgung für das Gesundheitswesen.“
Der Haushaltsplan von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken spricht Bände. Oberste Priorität haben Sicherstellung und Bezahlbarkeit. Von Entlastungen für Praxisärzte, damit sie die zu erwartenden vermehrten Anforderungen auch schultern können, ist da wenig zu lesen.
„Ehrlichkeit über die Grenzen des Systems, klare Entbudgetierung fachärztlicher Leistungen und eine geregelte Patientenbeteiligung – das sind die drei Säulen, auf denen eine funktionierende fachärztliche Versorgung in Zukunft stehen muss“, erklärt Dr. Tappe, der Verbandschef der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte.
„Schon heute gibt es mit Strukturverträgen und Sektoren übergreifenden Versorgungformen viele sinnvolle Ansätze für kostenreduzierende ambulante Strukturverbesserungen“, erklärt der Verbandschef der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, Dr. Tappe. „Wir brauchen mehr Mut für innovative Wege, die auf Augenhöhe, ohne politische Einflussnahme partnerschaftlich zwischen den Akteuren ausgehandelt werden.“
Jedes Jahr sterben in Deutschland von 1000 Frauen 26 an Darmkrebs, davon ein bis drei schon mit 50 Jahren. „Ab dem 50. Lebensjahr nimmt das Erkrankungsrisiko bis ins hohe Alter immer weiter zu“, erklärt Dr. Petra Jessen, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Vorsorge jetzt auch für Frauen ab 50 Jahren angeboten wird.“
„Ärzte haben auch nur zwei Hände“, erklärt Dr. Ulrich Tappe. „Das Versprechen von Termingarantien hilft nicht weiter, wenn unsere Terminkapazitäten erschöpft sind. Es scheitert ja nicht an unserer Bereitschaft, alle bedürftigen Patienten zu versorgen. Aber unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind durch die strukturellen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen begrenzt.“
Bilanz nach 30 Jahren: 23 Jahre Darmkrebsvorsorge mit deutlich sinkenden Neuerkrankungszahlen und steigenden Überlebenschancen, die Etablierung der kurativen Therapie zur Heilung der Hepatitis C und die hohe Lebensqualität von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind Highlights, die ohne das Engagement der niedergelassen Magen-Darm-Ärzte nicht möglich gewesen wären.
Wir Magen-Darm-Ärzte unterstützen die Vorschläge der kassenärztlichen Selbstverwaltungsorgane, dass bei schweren chronischen Erkrankungen sowie bei Vorsorgeuntersuchungen ein Direktzugang zum Facharzt ohne Überweisung möglich sein muss. Versicherte, die darüber hinaus direkt einen Facharzt aufsuchen, sollten sich an den Kosten beteiligen, wenn der Arztbesuch unbegründet gewesen ist.
„Die neue Bundesgesundheitsministerin hat angekündigt, unvoreingenommen über die akuten Engpässe zu sprechen“, sagt Dr. Ulrich Tappe. „Wir hoffen sehr darauf, dass wir vor Schnellschüssen wie völlig an der Sache vorbeizielenden Termingarantien Gelegenheiten bekommen, die eigentlichen Probleme beim Namen zu nennen. Wir sind bereit, mehr zu leisten. Die Politik muss den Weg dafür frei machen.“
Die Magen-Darm-Ärzte sehen eine Herausforderung darin, dafür zu sorgen, dass die Untersuchung und Behandlung von chronisch kranken Menschen sowie die Darmkrebsvorsorge im Zuge der Reformen im Gesundheitswesen nicht unter die Räder geraten.
Stärkung und Förderung der Vorsorgemedizin wird eine der großen Herausforderungen für die neue Bundesgesundheitsministerin. Die Absenkung des Anspruchsalters für Frauen auf 50 Jahre für eine Vorsorge-Darmspiegelung war bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt gilt es, den direkten Zugang zur Untersuchung beim Magen-Darm-Arzt auch im Rahmender Patientensteuerung aufrecht zu erhalten!
Wir sehen immer wieder, dass sinnvolle Innovationen an überuogenen Anforderungen scheitern. So war es bei der Einführung der antiviralen Wirkstoffe, mit denen wir heute Hepatitis C ausheilen können. So ist es bis heute bei der fehlenden kassenmedizinischen Anerkennung sensibler sonografischer Verfahren wie dem Fibroscan oder der Kapselendoskopie in der Darmkrebsvorsorge.
„Gerade akute und chronische Erkrankungen des Verdauungstraktes könnten in viel größerem Umfang als bisher ambulant betreut werden“, erklärt Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). „Leider scheitert dies heute noch oft an Hürden, die aus längst überholten Gründen in der Vergangenheit errichtet worden sind.“
Probleme im Gesundheitswesen entstehen, wenn Politik versucht, medizinischen Bedarf ohne ärztlichen Sachverstand rein unter finanziellen und verwaltungstechnischen Aspekten zu verwalten. Durch die Vorgabe einer überbordenden, am Bedarf vorbeigehenden Regelflut aus Verboten und Vorgaben wird es Praxen oft unmöglich gemacht, nötige Untersuchungen durchzuführen oder wirksame Medikamente zu verordnen.
Die Absicht, nicht bedarfsgerechte Facharztkontakte durch primärärztliche Lotsen zu reduzieren, ist grundsätzlich zu begrüßen. Es ist aber inakzeptabel, wenn in diesem Zusammenhang die freiberufliche Eigenständigkeit mit „Jahrespauschalvergütungen“ in Frage gestellt wird. Praxisinhaber übernehmen wirtschaftliche Verantwortung und sorgen für effiziente Angebote in der ambulanten Versorgung.
Rund 575 Millionen ambulante Behandlungsfälle im Jahr werden fast ausschließlich von den annähernd 100.000 Arztpraxen in Deutschland versorgt. Wenn sicher gestellt ist, dass nur notwendige Fälle bei Fachärzten auflaufen, verliert jede Quotierung von Fallzahlen ihre Berechtigung. Auch die Terminproblematik wird sich entspannen, wenn ungerechtfertigte Terminwünsche ausbleiben.
Männer und Frauen ab 50 Jahren haben ab sofort einheitlich Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Dazu erhalten sie im Alter von 50, 55, 60 und 65 Jahren eine Einladung zur Früherkennung auf Darmkrebs von ihrer Krankenkasse.
„Der Kampf gegen den Darmkrebs ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“, erklärt Dr. Petra Jessen, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, anlässlich des Darmkrebsmonats März 2025. „Seit fast 20 Jahren sinkt die Anzahl der Neuerkrankungen und immer weniger Menschen sterben daran. Auch Corona hat an dieser erfreulichen Entwicklung nichts geändert.“